Ursache Leistenbruch

URSACHE DES LEISTENBRUCHS – KEIN UNFALLSCHADEN!

Im Unterschied zum Knochenbruch ist der Leistenbruch nicht Folge eines Unfalles mit Gewebezerreißung und Defektbildung, vielmehr ist er auf eine angeborene Schwachstelle in der Bauchdecke (Leistenkanal) zurückzuführen. Diese Schwachstelle – Leistenkanal – ist notwendig, damit der Hoden, der entwicklungsgeschichtlich im Bauchraum, aber hinter dem Bauchfell (retroperitoneal), entsteht,  im Verlauf der Reifung vom Embryo  zum Säugling in den Hodensack wandern kann (Abb.1). Die Wanderung des Hodens in den kühleren Hodensack ist für eine volle Funktionsfähigkeit erforderlich, da er die höhere Temperatur des Bauchraumes nicht verträgt. Bei der Wanderung nimmt der Hoden zwangsläufig den Samenleiter (ductus deferens)  und seine Blutadern ( Testikulargefäße)  mit, die dann den Inhalt des Leistenkanals bilden, bei der Frau ist es das runde Mutterband.

Abb. 1: Schematische Darstellung des Leistenkanals

Abb. 1: Schematische Darstellung des Leistenkanals

Jetzt gilt es zwischen 2 Leistenbruchtypen grundsätzlich zu unterscheiden: 1. Angeboren. 2. Erworben. 

1. Der angeborene Bruch entsteht, wenn der Hoden beim Absenken in den Hodensack das Bauchfell trichterförmig (processus vaginalis)  mitnimmt (Abb.1), dieser Bauchfell-trichter aber nach abgeschlossener Wanderung  nicht verödet und zum Bruchsack werden kann. Der Leistenkanal bleibt offen (Bruchpforte) und somit wird der Austritt von Darmschlingen (Bruchinhalt) in Richtung Hodensack möglich, was bei ca. 1-2% aller Neugeborenen der Fall ist (Abb.2). Bei den übrigen Menschen verödet der Processus vaginalis bzw. spielt für eine weitere Bruchentstehung keine Rolle.

Abb. 2: Angeborener Bruch - Entstehung

Abb. 2: Angeborener Bruch – Entstehung

2. Der Leistenkanal selbst durchsetzt schräg die Bauchdecke und wird bei Belastung infolge der Anordnung von Muskeln und Bänder eher enger, sodass ein Durch- bzw. Austritt von Bauchinhalt (Bruch) verhindert wird. Mit zunehmenden Alter jedoch funktioniert dieser Verschlussmechanismus bei 6-27% der Menschen ( Verhältnis Männer zu Frauen ca. 10-13 zu 1) nicht mehr, d.h. der Leistenkanal geht wieder auf oder seine Hinterwand (Faszia transversalis) gibt nach und stülpt sich sackartig nach außen vor – der erworbene  Bruch entsteht. Wenngleich der genaue Entstehungsmechanismus des erworbenen Bruchs auch heute noch nicht vollständig geklärt ist, so sind doch eine Reihe begünstigender Faktoren bekannt:  Familiäre Belastung (angeborene Bindegewebsschwäche). Kollagenstoffwechselstörung (Hernienkrankheit). Chronische Erhöhung des Bauchinnendruckes z.B. durch schweres Heben und Tragen oder chronischem Husten. Pressen beim Stuhlgang. Nicotinabusus.

Abb. 3: Erworbener Leistenbruch

Abb. 3: Erworbener Leistenbruch

Jeder Bruch hat eine Bruchpforte, einen Bruchsack und einen Bruchinhalt. Der Bruchsack kann  direkt durch die Hinterwand (Bruchpforte) des Leistenkanals (direkter oder medialer Bruch) nach außen unter die Haut austreten (Abb.3)  oder durch den inneren Leistenring und dem Leistenkanal folgen (indirekter oder lateraler Bruch). In den Bruchsack können Anteile von Bauchorganen (in der Regel Darm, aber auch Harnblase und Bauchnetz) gelangen (Bruchinhalt). Sichtbar wird der Bruch als Vorwölbung in der Leistenregion (Abb.4).

Abb. 4: Leistenbruch links

Abb. 4: Leistenbruch links

Kann die Vorwölbung beim liegenden Patienten wieder in die Bauchhöhle zurückgedrängt werden, spricht man von einem reponierbaren, ansonsten von einem irreponiblen Bruch. Kommt es akut zu einem Verlagern von Darmanteilen in den Bruchsack und lassen sich diese nicht wieder in die Bauchhöhle zurückdrängen, sprechen wir von einer Einklemmung (Inkarzeration). Jede Einklemmung muss umgehend zum Arzt führen. Verursacht die Einklemmung eine akute Durchblutungsstörung des Darmes (Strangulation), besteht absolute Lebensgefahr und es muss sofort operiert werden.

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