Kritische Punkte

Anaesthesie – Technische Schwierigkeit  – Fremdmaterial

Die laparoskopische Leistenbruchoperation wird in der Regel in Allgemein(Voll)-Narkose durchgeführt. Die herkömmliche offene Operation des Leistenbruchs mit Naht (Shouldice) oder mit Netz (Lichtenstein) kann auch in örtlicher Betäubung erfolgen. Anhänger der offenen Technik weisen immer wieder auf höhere Kosten und Risiken der Allgemeinnarkose hin. Ohne Frage war vor 2-3 Jahrzehnten die Narkose noch ein nennenswerter Risikofaktor. Heute jedoch nach Einführung  nebenwirkungsarmer Narkosemittel und mit moderner Überwachungstechnik  gilt dies nicht mehr, im Gegenteil, Narkoseärzte sind der Meinung, dass eine moderne Narkose sogar sicherer ist als eine vergleichsweise unkontrollierte örtliche Betäubung mit zusätzlicher Gabe eines Schlaf (Beruhigungs-)mittels. In einer eigenen durch unsere Anästhesisten veröffentlichen Untersuchung (Hafner et al. Chirurgische Gastro-enterologie 2003;19:142-146) wird nachgewiesen, dass selbst über 85-jährige Patienten  sicher laparoskopisch in Vollnarkose operiert werden können. Der Vorteil im Besonderen für den  älteren Menschen durch die minimal invasive Operationstechnik ist, dass er sich aufgrund der geringeren Schmerzen nach der Operation leichter bewegen und mobilisiert werden kann, sodass Sekundärkomplikationen wie Thrombosen und Lungenentzündungen vorgebeugt wird.

Die laparoskopische Leistenbruchoperation ist eine technisch anspruchsvolle Operation. Sie kann jedoch gelehrt und gelernt werden wie jede andere Operation, wobei die stete Reproduzierbarkeit (jeder Operationsschritt ist für jeden sichtbar und kann aufgezeichnet werden)  durch die Videotechnik Lehren und Lernen im Vergleich zur offenen Technik deutlich erleichtert. Voraussetzung für das optimale Gelingen ist eine streng standardi-sierte Operationstechnik und ihre systematische Durchführung. Dementsprechend konnten wir bei den 23 Chirurgen, die an unserem Operationsprogramm beteiligt waren, demonstrieren, dass Komplikations- und Rezidivrate bei allen weitestgehend gleich waren, lediglich die Operationszeit zeigte eine Abhängigkeit von der Zahl der durchgeführten Operationen. Zum rascheren Erlernen für den jungen Assistenten haben wir  mit der Fa. K. Storz ein Hernienmodell entwickelt, sodass er einzelne Schritte der Operation bereits am „Simulator“ trainieren kann und danach  bereits bestens vorbereitet in den Operationssaal gehen kann. Die Ergebnisse der Lernkurve und die Vorstellung des Trainingsmodells werden aktuell in der bedeutendsten internationalen Zeitschrift für die „Schlüsselloch“-Chirurgie „Surgical Endoscopy“ publiziert ( U. Bökeler, J. Schwarz, R. Bittner et al. Teaching and training in laparoscopic inguinal hernia repair(TAPP) – impact of the learning curve on patient`s outcome. Surg Endosc 2013, in press).

Für die laparoskopische Leistenbruchoperation ist  die Implantation eines Kunststoffnetzes zur Stabilisierung der Hinterwand des Leistenkanals notwendig. Dieses Netz muss absolut körperfreundlich (biokompatibel) sein. Wenngleich das „ideale“ Netz noch nicht gefunden wurde, so beweist der seit mehr als 20 Jahren vor allen in den USA, aber auch in Europa, millionenfache Einsatz, dass das Netz als Fremdmaterial zwar auch eine Fremdkörper-reaktion verursacht, diese jedoch in der Regel nicht mit einer für den Patienten bemerkbaren Störung verbunden ist. Vorausgesetzt ist allerdings, dass das Netz technisch einwandfrei nach den Regeln der Kunst eingesetzt wird, wie auch durch die eigenen Erfahrungen bei über 15000 Netzimplantationen  und einer inzwischen 17- jährigen Beobachtungszeit belegt werden kann.

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